Glasdruck im öffentlichen Raum: 220 bedruckte Glaspaneele für die modernisierte Personenunterführung am Hauptbahnhof Hanau
Mit der offiziellen Eröffnung der modernisierten Personenunterführung am Hauptbahnhof Hanau wurde ein Projekt abgeschlossen, das weit über eine reine funktionale Modernisierung hinausgeht. Licht, Material, Gestaltung und Architektur greifen hier sichtbar ineinander und verändern die Wahrnehmung eines öffentlichen Raumes, den täglich tausende Menschen nutzen.
Für dieses Projekt produzierten und realisierten wir rund 220 bedruckte Glaspaneele für die neugestaltete Unterführung. Die Glasflächen wurden speziell vorbereitet, mit transluzenten Motiven ausgestattet und für die spätere Hinterleuchtung ausgelegt. Entstanden ist eine zusammenhängende Bildwelt, die unterschiedliche Facetten Hanaus aufgreift — Alltagsszenen, kulturelle Bezüge, besondere Orte und Motive mit gesellschaftlicher Bedeutung.
Gerade bei Projekten dieser Größenordnung zeigt sich, dass Glasveredelung weit mehr ist als „ein Motiv auf Glas zu bringen“. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Materialverständnis, Produktionssicherheit, Datenaufbereitung, Präzision und der späteren Wirkung im Raum – und letztendlich auch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Glas ist kein Standardmaterial
Die Verarbeitung großer Glasflächen stellt besondere Anforderungen an Produktion und Handling. Anders als bei klassischen Werbeflächen oder Plattenmaterialien arbeitet man hier mit empfindlichen, schweren und maßkritischen Elementen, die später exakt in eine architektonische Umgebung integriert werden müssen.
Alle im Projekt verwendeten Scheiben waren über 1,70 Meter hoch, gleichzeitig jedoch unterschiedlich breit. Dadurch entstanden individuelle Anforderungen an:
- Datenaufbereitung
- Motivanschlüsse
- Produktionsplanung
- Folienzuschnitt
- Transport
- Montagevorbereitung
Besonders anspruchsvoll war das passgenaue Weiterführen der Motive über zahlreiche einzelne Glasflächen hinweg — teilweise über viele Meter, denn bereits geringe Abweichungen würden später im Raum sichtbar werden, insbesondere durch die integrierte Hinterleuchtung und die langen Sichtachsen innerhalb der Unterführung.
Transluzenz und Hinterleuchtung in der Glasveredelung
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die spätere Hinterleuchtung der Glasflächen. Dadurch verändern sich Anforderungen an Druckdaten, Materialwahl und Motivwirkung erheblich. Motive, die bei Tageslicht funktionieren, verhalten sich unter Hinterleuchtung oft völlig anders:
- Farben wirken intensiver oder verlieren Tiefe
- Kontraste verändern sich
- dunkle Flächen können „absaufen“
- Übergänge werden sichtbarer
Deshalb müssen hinterleuchtete Motive und Materialien gezielt auf ihre spätere Wirkung im beleuchteten Zustand abgestimmt werden. Gerade transluzente Anwendungen erfordern viel Erfahrung in der Druckabstimmung in Bezug auf:
- Materialkombinationen
- Farbwirkung
- Lichtdurchlässigkeit
- Schwarzwerten
Im öffentlichen Raum kommt zusätzlich hinzu, dass die Flächen aus unterschiedlichsten Perspektiven wahrgenommen werden — im Vorbeigehen, ganz nah, aus größerer Entfernung, unter Kunstlicht oder Tageslicht und bei ständig wechselnden Lichtverhältnissen.
Präzision über viele einzelne Elemente hinweg
Ein besonderer Schwerpunkt lag bei dem erwähnten Projekt auf der exakten Fortführung der Bildwelten über zahlreiche einzelne Glaselemente hinweg. Die Motive liefen dabei nicht nur von Scheibe zu Scheibe weiter, sondern mussten zusätzlich:
- konstruktive Abstände berücksichtigen,
- Montagefugen einplanen,
- und trotz Teilung als zusammenhängendes Gesamtbild funktionieren.
Gerade solche Übergänge entscheiden darüber, ob eine Gestaltung später hochwertig und ruhig wirkt — oder unruhig und technisch „stückelig“. Ganz besonders wichtig ist dieser Aspekt, wenn Motive wie Gesichter, allgemein Personen oder Schrägen in grafischen Motiven, konstruktionsbedingt "zerteilt" werden.
Handling und Verarbeitung großer Glasflächen
Auch das Handling der Glasflächen spielt bei solchen Projekten eine zentrale Rolle. Alle großformatige Glaspaneele bedeuten gleichzeitig auch empfindliche Oberflächen bei extrem hohen Gewichten, enge Toleranzen, aufwendige Verpackung der empfindlichen Scheiben, kontrollierten Transport und allgemein eine besonders sorgfältige Verarbeitung.
Bereits kleine Verunreinigungen, Spannungen oder Beschädigungen können sich später deutlich sichtbar auf die Gesamtwirkung auswirken — insbesondere bei hinterleuchteten Anwendungen.
Dazu kommt der hohe organisatorische Aufwand während der Montage.
Jede Scheibe muss eindeutig zugeordnet, korrekt produziert und später an exakt der richtigen Position montiert werden.
Gestaltung mit lokalem Bezug
In unserem Projektbeispiel verbindet die Gestaltung der Unterführung technische Umsetzung mit inhaltlicher Aussage. Die Motive wurden von den Designerinnen so ausgewählt, dass sie unterschiedliche Facetten Hanaus aufgreifen: Alltagsszenen, urbane Identität, kulturelle Bezüge und Orte, die das Stadtbild prägen. Eine Schewibensequenz erinnert zudem an die Opfer des Attentats von Hanau und gibt der Unterführung damit auch einen bewussten gesellschaftlichen Bezug.
Zusammenarbeit vieler Projektpartner: Glasveredlung für den Objektbereich
Solche Projekte entstehen immer im Zusammenspiel vieler Beteiligter aus Planung, Gestaltung, Architektur, Produktion und Bau. Sie zeigen, welche Möglichkeiten moderne Glasveredelung heute im Objekt- und Architekturbereich bietet. Gerade im öffentlichen Raum, in Verkehrsstationen, Bürogebäuden, Hotels, Ausstellungen oder modernen Innenarchitekturprojekten gewinnt Glas als Gestaltungselement zunehmend an Bedeutung — nicht nur funktional, sondern als prägender Bestandteil des gesamten Raumerlebnisses.
Sie planen ein Projekt im Bereich Glasveredelung oder Objektgestaltung?
Wir unterstützen Sie gerne bei der technischen Umsetzung komplexer Glas- und Folierungsprojekte.